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Interview mit Ortopädieschuhtechnik-Meister Aljoscha Thies

Seit kurzem unterstützt der Orthopädieschuhtechnik-Meister Aljoscha Thies das Team des Santitätshauses Kowsky. Die Orthopädieschuhtechnik-Meisterin Anja Jansen ist sehr froh über ihren neuen Kollegen, der ihr gleich eine Menge Arbeit abnehmen kann. Die Nachfrage ist groß und „Gut Ding braucht Weile“, gerade in einem Berufsfeld mit manueller Fertigung und individueller Beratung. Wir sprechen mit Aljoscha Thies über die Besonderheiten in diesem spannenden Beruf.

Sanitätshaus Kowsky: Wie kamen Sie zu diesem Beruf, Herr Thies, bzw. was hat Sie veranlasst, eine Ausbildung zum Orthopädieschuhtechniker zu machen?

Aljoscha Thies: Mir war schon sehr früh klar, in welche Richtung meine berufliche Laufbahn gehen sollte. Meine Oma war begeisterte Schuhmacherin und so bin ich quasi mit diesem Thema aufgewachsen. Auch mir liegt das Handwerk im Blut und hat mich immer schon begeistert. Darüber hinaus möchte ich einen Beruf ausüben, bei dem ich Menschen helfen kann. So bin ich bei der Orthopädieschuhtechnik gelandet.

Sanitätshaus Kowsky: Haben Sie dazu eine klassische Ausbildung absolviert?

Aljoscha Thies: Ja, eine dreieinhalbjährige Ausbildung und mehrere Langzeitpraktika im Bereich Sicherheitsschuhe. Ich arbeitete bereits bei mehreren Firmen und habe meine Fühler immer gerne ausgestreckt, um etwas dazuzulernen. 2002 beendete ich meine Lehre mit dem Gesellenbrief und 2011 legte ich erfolgreich meinen Meister ab.

Sanitätshaus Kowsky: Herzlichen Glückwunsch! Das klingt nach einer zielstrebigen und erfolgreichen Karriere. Was ist denn das Besondere an dem Beruf des Orthopädieschuhtechnikers?

Aljoscha Thies: Mich begeistert besonders, dass er handwerkliche Tätigkeiten mit medizinischen Kenntnissen und Kundenorientierung kombiniert. Man lernt, wie man aus Textilien, Kunststoffen, Leder und Kork das jeweils beste Material auswählt und entsprechend verarbeitet. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen wie zum Beispiel Kinder, Sportler und Senioren sind sehr spannend. Es bereitet mir viel Spaß, individuell auf die Leute einzugehen und sie mit den richtigen Schuhen glücklich zu machen.

Von meiner Oma habe ich gelernt, dass das Schuhmacherhandwerk zu den traditionellen Handwerksberufen gehört. Heutzutage kann man das mit innovativen Ideen und Techniken bereichern – gerade im Bereich des Orthopädieschuhmachers. Das ist toll! 

Sanitätshaus Kowsky: Wie kann man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?

Aljoscha Thies: Tja, einen monotonen Alltag gibt es da nicht. Es kommt immer darauf an, was die Kunden brauchen oder wünschen. Für manche Kunden baue ich ein Innenschuhwerk, über das dann ein normaler Schuh getragen werden kann. Andere Kunden benötigen spezielle Einlagen oder eine individuelle Anpassung vorgefertigter orthopädischer Teile. Manchmal stelle ich den Schuh auch vollständig her. Das erfordert sicherlich die meiste Arbeit, ist aber auch ein ganz besonders schönes Gefühl. Denn dieser maßgefertigte Schuh stammt dann von der ersten Beratung bis hin zur finalen Abnahme von mir.

Viele Kunden bringen die Diagnose des Arztes mit, zusätzlich mache ich mir auch mein eigenes Bild. Als Profi in diesem Bereich gewinnt man mit der Zeit eine Menge an Erfahrung. Die besten Lehrmeister sind dabei immer die Kunden. Auf sie kommt es schließlich an. Bei der Beobachtung ihres Ganges erkenne ich sofort, welche Funktionen eingeschränkt sind bzw. welche Fußfehlform vorliegt. Hier gilt es dann, mit den richtigen Mitteln zu helfen.

Das Wort Orthopädie stammt von einem altgriechischen Wort, das in etwa „aufrecht“, „gerade“ bzw. „richtig“ bedeutet. Wir Orthopädieschuhtechniker versuchen, mit orthopädischen Hilfsmitteln wie
z. B.  diversen Einlagen, Korrekturschienen oder maßgefertigten Schuhen kranke und fehlgebildete Füße wieder in Form zu bringen. Wenn die Patienten anschließend keine Schmerzen mehr empfinden oder sich einfach besser fühlen, ist das ein wunderbares Gefühl.

Sanitätshaus Kowsky: In welchen Bereichen gibt es denn die häufigsten Fußleiden?

Aljoscha Thies: Zu mir kommen viele Patienten mit Arthrose, Rheuma und Diabetes. Diesen Patienten passen irgendwann einfach keine Konfektionsschuhe mehr. Hier leistet dann der orthopädische Maßschuh gute Dienste, indem er die typischen Krankheitsbilder und Funktionsstörungen ausgleicht. Ich versuche, die Kunden bestmöglich zu versorgen, damit sie möglichst uneingeschränkt am normalen Leben teilnehmen können.

Ich betreue auch Sportler, deren Füße durch Überbelastung oder Fehlhaltungen schmerzen. Auf die Sportversorgung habe ich mich inzwischen spezialisiert. Darüber hinaus eignete ich mir umfassende Kenntnisse in der Einlagentechnik an und kann damit den verschiedensten Kunden helfen.

Sanitätshaus Kowsky: Kommen die Patienten immer mit einer Arztüberweisung?

Aljoscha Thies: Die meisten schon. Aber es gibt auch Menschen, die zwar Probleme mit ihren Füßen haben, aber nicht zum Arzt gehen möchten. Trotzdem stört sie ihr Leiden beim täglichen Gehen. Diese Menschen verspüren einfach den Wunsch, die für sie besten Schuhe zu finden und sich damit rundum wohlzufühlen. Das ist dann zwar eine private Leistung, die aber durchaus in Anspruch genommen wird.

Sanitätshaus Kowsky: Zu guter Letzt würden wir gerne noch etwas Privates von Ihnen erfahren: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Aljoscha Thies: Da gibt es zwei große Bereiche: Zum einen liebe ich Musik und spiele sehr gerne Schlagzeug. Zum anderen bin ich gerne draußen und fahre da am liebsten Mountainbike. Das ist beides ein guter Ausgleich für mich und bringt mir sehr viel Spaß.

Sanitätshaus Kowsky: Herr Thies, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

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